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RE: Hallux Valgus - Bericht für Kerstin

#1 von Gika ( gelöscht ) , 08.06.2002 09:29

Liebe Kerstin, guten Morgen,

anschließend der versprochene Bericht über die ‚Geschichte meiner Füße’. Vielleicht wäre es gut, wenn Du die Links aus dem Thema Korsett hierher legen würdest (ich halte sie für sehr interessant und informativ. Ich habe, wie schon gesagt, leider keinen Scanner. Photos gemacht habe ich z.B. auch von meinen Füßen. Leider erst ca. 3 Wochen danach. Du wirst lachen, aus einen sehr emotionalen Grund). Ich hatte zu der Zeit kein Internet und die ausführliche Suche bis zur Entscheidung dauerte ziemlich lange und ich habe ca. 5 verschiedene Ärzte aufgesucht, von denen ‚wie auch heute in der Angelegenheit Rücken’ jeder etwas anderes sagte, z.B. mit gravierenden Unterschieden.

Mein Vater, mein Mutter, sowie die Mutter meines Vaters (von anderen Fam.-Mitgliedern weiß ich es nicht) hatten dieses Problem. Meine Mutter wurde operiert (vor ca. 45 Jahren !!), später (schon in hohem Alter) die Großmutter. Mein Vater hat es nie gemacht. Lernmöglichkeit für mich?? Ganz zufrieden war meine Mutter nicht (war aber auch früher viel problematischer) Taubheitsgefühle (sie massiert die Zehen heute noch immer deswegen) und das der große Zeh so stark verkürzt ist durch die OP (ist heute nur noch ganz minimal). Bei der Großmutter weiß ich es nicht, wie sie sich fühlte. Ich weiß auch nicht welche Art der OP es bei ihr war. Da eher abschreckende Beispiel war aber trotz alldem mein Vater. Schon der Schuhkauf war problematisch. Der Ballen war ca. Wallnussgroß und jeder Schuh musste mit viel Aufwand an der Ballenstelle von einem Schuster ‚ausgebeult’ werden, dass er ihn überhaupt anziehen konnte. Das war natürlich optisch auch ziemlich unschön. Ästhetik ist für mich etwas Entscheidendes (auch ein Grund warum ich mit meiner Gesamtsituation so schwer klar komme) und mir ist immer im Gedächtnis geblieben wie die Füße meines Vaters aussahen, wobei ich dazu sagen muss, bei uns allen war zwar eine recht große Ballenbildung vorhanden, aber nur eine sehr geringe Verbiegung der Zehen, sodass die Ärzte auch meinten eine OP würde leichter eine optisch gutes Ergebnis bringen.

Trotzdem immer auf gutes Schuhwerk geachtet wurde und ich selbst später auch nur in geringem Maß gesündigt habe (Füße waren immer sehr empfindlich auch ohne Ballen) entwickelte sich vor ca. 15 Jahren beginnend ganz langsam der Ballen. Ca. 1995 dachte ich erstmals (weil es trotz verschiedener Versuche nicht zu stoppen war) an eine OP, habe in der Folge mit ca. 5 Ärzten verhandelt. Die Meinungen gingen von 6 Wochen Rollstuhl und beide machen wir nicht gleichzeitig (musste ich aber wegen der Arbeit, war auch so nicht einfach, obwohl ich nach !!!30!! Jahren in der Fa. erstmals eine längere Sache hatte) bis zu einer Tagesklinik, die die Leute nach der OP sofort nach Hause, bzw. ins Hotel schickt mit 1 Woche Betreuung und 24 Std.-Telefondienst (würde ich nach meinen Erfahrungen nie nie nie machen – es ist einfach gut für Körper und Psyche ganz betreut zu sein). Da fast keine Verkrümmung der Zehen vorhanden war gab es auch einen Arzt der nur den Ballen quasi ‚Schälen’ wollte, wobei andere sagten, da wäre die Gefahr des Wiederkommens auch gegeben und die effektivste Methode wäre das Durchtrennen des Knochens und das neu Fixieren mit
Draht (die Tagesklinik, steht heraus und wird dann einfach wieder herausgezogen) oder mit Schrauben (habe ich schließlich gemacht).

1997 habe ich mich dann entschieden. Ich hatte genug gehört und mich zwischen den Übeln zu entscheiden, aber letztlich lag es wohl an diesem letzten Arzt. Er war mir sympathisch, das Gespräch war informativ, ausführlich, für alle Fragen offen, ich hatte nicht das Gefühl es würde unter Zeitdruck gefühlt und der Mann war einfach freundlich und liebevoll (finde ich sehr wichtig in so einer Situation). Übrigens war er auch absolut vorbildlich während der Krankenhauszeit. Eine Mitpatientin sagte mir einmal traurig sie würde sich von ihrem Operateur auch so eine Betreuung wünschen. Die Nachbetreuung in der Praxis enttäuschte mich etwas, da kam dann doch der Massenbetrieb heraus und ich hatte irgendwie das Gefühl, dass er sich mit den ‚erledigten Sachen’ nicht so intensiv abgeben wollte und die Nachsorge lieber seinen Leuten überlässt. Aber vielleicht muss man eben Prioritäten setzten und ‚Gefühl verlassen zu werden in einer schwierigen Lebenslage’ ist zum großen Teil mein persönliches Problem.

Die OP wurde am 02.07.1997 durchgeführt.

Subcapitale Korrekturosteotomie nach Austin mit
dorsomedialer Exostosenresektion,
transossäre Kapselrefixierung

(Fixierung mit je zwei 2mm Zugschrauben)

Ich war ca. 8 Tage im Krankenhaus. Schmerzen hatte ich fast keine. Zuerst bekam ich Schmerzmittel, die Beine waren hoch gelagert (für mich ein Schlafproblem, da ich nur auf der Seite schlafen kann und das ging ja in der Zeit nicht) und ich bekam zwei Eisbeutel für die Füße, die je nach Verlangen immer wieder ausgetauscht wurden (habe ich dann auch zu Hause so gemacht, wenn Schmerzen begannen habe ich die Füße an die Eisbeutel gestellt und die Schmerzen waren weg). Am zweiten od. dritten Tag wurden Spezialsandalen gebracht mit denen man kurzfristig und mit Krücken auf der Ferse und Außenkante gehen konnte. Täglich wurde der Verband gewechselt. Der Arzt zeigte mich als Bilderbuchpatientin vor, ich hatte keinerlei Schwellungen, nicht nach der OP und nicht die 6 Wochen zu Hause. Ich habe mich allerdings strikt daran gehalten so viel wie möglich hochlegen, nicht viel herumgehen usw.

Nach ca. 8 Tagen zu Hause war das nicht leicht. Ich war gerade getrennt von meinem Partner und auch die Familie war weg. Ich würde jemanden eine bessere Betreuung wünschen, aber ... es geht auch so, wenn man will. Ich bekam, schon im Krankenhaus beginnend) Heil-gymnastik, Lymphdränagen (fuhr immer mit dem Taxi hin, aber was sollte ich machen). Bekam Hilfe von unerwarteter Seite (Nachbarin und zwei Freundinnen kauften ab und zu ein und sogar die Apothekerin mit der ich telefonierte bot an in der Mittagspause Dinge vorbeizubringen). Plötzlich traf ich so viele Leute unterwegs die mich ansprachen und die auch diese OP hatten, der Verlauf und alles ist so unterschiedlich, dass man eigentlich keine Richtlinie geben kann, was mir auch schon vorab der Arzt gesagt hatte. Es gibt Leute, die können schon nach 6 Wochen, manchmal schon vorher einen Joggingschuh anziehen. Konnte ich nicht, wegen der starken Empfindlichkeit. Sogar eine Schwachstromquelle (Fön) in der Nähe ließ die Nerven vibrieren. Aber es sah gut aus und ich hatte kaum Schmerzen.

Meine Probleme begannen nach 6 Wochen mit Arbeitsbeginn. Der Arzt meinte, es gäbe Leute die würden auch schon vorher arbeiten, wenn sie !!! nicht zu weit zur Arbeit hätten und dazwischen wieder eine andere Haltung – nicht Füße nach unten – einnehmen könnten) Manche arbeiten noch zwei Wochen halbtags). Ich hatte Angst. Mein Chef hatte vorher schon gesagt, 6 Wochen ? Na klar, wenn es unbedingt nötig ist müssen sie das machen, aber vielleicht schaffen sie es ja auch in kürzerer Zeit – ein Knochen heilt erst in mind. 6 Wochen !!) Also w i c h t i g: In Deinem Bericht schreibt die ‚zufriedene Frau’ von 10 Wochen. Das ist für mich realistisch. Nicht, dass man nicht schon viel machen kann, aber immer nur so lange man spürt es geht gut. Dann wieder Füße hochlegen und schonen, je nach Person und Heilungsverlauf. Ich ging um (damals noch besser) 7 und kam um 18 Uhr, es war ein heißer August und ich bekam Schwellungen (regelrechte Klumpfüße) und ständige Schmerzen. Ob das heutige Ergebnis besser wäre (vieleicht auch mein Rücken) kann ich nicht sagen, aber die Schwellungen bei heißem Wetter und eine große Empfindlichkeit ist geblieben). Anfangs verkürzte ich die Tage durch die noch vorhandenen Überstunden, dann ging die Kollegin in Urlaub und ich konnte nicht mehr weg. A l s o w i c h t i g: Gut für sich sorgen und sich Zeit lassen.

Wegen der Schrauben. Der Arzt sagte, man kann sie entfernen wenn sie stören, das geschieht manchmal. Die Mehrheit der Patienten lässt die Schrauben drin. Ich hätte sie gerne entfernt, so vom Gefühl her. Ich habe (immer schlechter werdende Arbeitssituation) mich nicht getraut noch mal krank zu machen. Habe mir aber auch nicht zugetraut nach 1 od. 2 Tagen wieder arbeiten zu gehen (wäre vielleicht auch gegangen). So habe ich die 4 Schrauben heute noch in den Füßen. Ich weiß nicht ob das vielleicht doch für mich ein Problem ist. Zumindest stelle ich mir manchmal die Frage, wegen der Schwellungen.

Ein weiteres Problem ist der linke Fuß (vorher der viel bessere). Durch die OP wird der 1. Mittelfußknochen manchmal ein paar Millimeter kürzer. Ich hatte schon vor der OP diesen Knochen 2 mm kürzer als den 1. Mittelfußknochen. Nun nach der OP sind es 4 mm. Das macht in der Regel keine Probleme (das alles hat mir der Arzt geschrieben und meine Besuche hin). Ich habe nur dadurch Schwierigkeiten beim Abrollen. Der 2. Mittelfußknochen kommt dabei als erster auf, nicht mit den anderen zusammen und das tut weh und entzündet sich manchmal. Kann man mit einer kleineren OP in Ordnung bringen. Will ich aber nicht.

Nach der OP sollte man auf jeden Fall Einlagen tragen. Wichtig!!!. Kann ich nicht. Mir ist jeder Schuh (wirklich) zu eng, wenn ich auch noch die Einlage hineinlege. Ich behelfe mich damit, dass ich vom Schuster (nach Fußabdruck) Pilotten (??) in den Schuh bauen lasse, ohne könnte ich mit dem linken Fuß nicht gehen. Schuhe kaufen ist eine Katastrophe, aber die Empfindlichkeit hatte ich vorher auch schon.

Die zufriedene Frau in Deinem Bericht schreibt von einer Schuhgrößennummer mehr. Gute Info für mich, das ist wohl normal. Ich hatte frühere Schuhe aufgehoben und gehofft, wenn der Ballen weg ist dann ist der Fuß kleiner, und die Schuhe passen wieder. Leider ist das nicht der Fall, auch ich brauche jetzt einen Schuh der breiter und größer ist als vorher.

Ob ich es wieder machen würde???
Ich glaube ja. Trotz alledem. Wenn die Umstände gut sind (Urlaub z.B. nicht den ganzen Tag sitzten, kein heißes Wetter usw. usw.) sehen die Füße gut aus. Keiner würde eine OP vermuten. Die Narbe muß man mit der Lupe suchen. Und die Schuhe sehen eben auch nach längerem Tragen nicht unförmig verbeult aus.

Ja, liebe Kerstin. Ein langer Bericht. So vieles würde mir noch einfallen, aber es führt vielleicht so schon zu weit. Wenn Du noch etwas wissen willst, frage mich.

Viele liebe Grüße
Gika


Gika

RE: Hallux Valgus - Bericht für Kerstin

#2 von Kerstin , 08.06.2002 19:56


 
Kerstin
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RE: Hallux Valgus - Bericht für Kerstin

#3 von Kerstin , 21.12.2002 19:01

In der TINA von dieser Woche steht ein Bericht über eine neuartige Ballenoperation.
45 Minuten ambulante OP - Biodrähte, die sich selbst zersetzen - 14 Tage Spezielschuhe - fertig.

Muss mich mal schlau machen, ob das hier irgendwo gemacht wird.


 
Kerstin
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