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RE: Wassersport gegen Skoliose?

#1 von Anton ( gelöscht ) , 28.06.2002 21:56

Ich war vor vielen Jahren mal aktiv im Kanusport. Unser Trainer /Ausbilder war Prof. Karel Knapp von der Sporthochschule Köln. Er betreute damals viele erfolgreiche Leistungssportler und war Spezialist für Kanadier ( das sind die "Indianerboote", die nur auf einer Seite mit einem spatenförmigen Paddel gefahren werden. An der Sporthochschule in Köln wurde damals festgestellt, daß die Kanadier-Leistungssportler eine echte Skoliose bekommen, wenn sie nur ihre "Schokoladenseite" (die jeder mensch hat) trainieren!
Im Umkehrschluss wurde dann von Prof. Knapp und einigen Kanadierfahrern die Theorie aufgestellt, daß das Kanadierfahren auf der Gegenseite demnach auch eine juvenile idiopathische Skoliose ausgeichen können müsste.
es kam zu einigen Trainigsfahrten mim GATZ- 7er-Kanadier mit einem Physiotherapeuten und jungen Patienten des Olga-Spitals Stuttgart. Sowohl Jugendliche als auch Ärzte waren von der Idee begeistert. Die Ärzte entschieden je nach Krümmung, ob die Patienten rechts oder links im Kanadier sitzen mussten und wir "löffelten" 2 mal die Woche auf dem Neckar auf und ab. Lediglich die PhysiotherapeutInnen waren nicht begeistert, daß man Ihre KG-Stunden in eine Outdoor-Abentteuersportart umgewandelt hatte.Einige Eltern verstanden auch nicht richtig, warum hr zartes Töchterlein mit so einem wilden Indianerboot auf dem Neckar herumgurken sollte. Ich war als Kanugruppenleiter des Jugenddorfs Stuttgart oft der Steuermann. Einige Jugendliche trugen sogar ihre Korsetts (damals überwiegend Milwaukee) und Schwimmwesten drüber zum Paddeln.
Leider bin ich dann beruflich nach Augsburg gezogen und habe nicht mehr mitverfolgt, was aus der Skoliose-Kanugruppe in Stuttgart geworden ist.
Erst als ich kürzlich auf einer Page von Dr. Cheneau eine Zeichnung der WS-Stellung eines Kanadierfahrers entdeckte,

http://cheneaucor.free.fr/ls_de_basis.htm

ist mir die ganze Theamitk wieder eingefallen und ich wollte Euch die Idee zum evenetuellen Wiederaufleben weitergeben.
Ich selbst gehe nun 3 Wochen zum Kanuwandern nach Finnland in die Nordische Wildniss.
Bis bald und gute Zeit wünscht
Toni


Anton

RE: Wassersport gegen Skoliose?

#2 von BZebra ( gelöscht ) , 28.06.2002 22:59

Hallo Toni,

ich glaube in Bezug auf einseitiges Kanufahren als Therapie gegen Skoliose muß ich Dich leider enttäuschen.

In der Katharina-Schroth-Klinik in Sobernheim lernt man, daß, egal wie rum man eine einseitige Sportart ausübt, sie immer schädlich für eine Skoliose ist.

Als Skoliotiker hat man ja auf einer Seite nicht nur schwache Muskulatur, sondern auch starke. Bei einseitiger Bewegung trainiert ein Skoliotiker IMMER die starke Muskulatur mehr als die schwache. Selbst das regelmäßige wechseln der Seite hilft hier nicht. Es wird entweder vermehrt der Lendenwulst oder die Muskulatur des Rippenbuckels trainiert. Jede einseitige Bewegung verstärkt also die Krümmung.

Deswegen gilt allgemein, daß man als Skoliotiker alle einseitigen Sportarten und Bewegungen vermeiden sollte.
Tennis, Kanufahren, Werfsportarten, Schießsport und so weiter.

Diese Regel gilt auch für den Alltag. Man sollte z.B. nichts einseitig Tragen; also keine Taschen, sondern besser Rucksäcke (richtig aufgesetzt natürlich).

Gruß,
BZebra


BZebra

RE: Wassersport gegen Skoliose?

#3 von Anton ( gelöscht ) , 28.06.2002 23:50

Hallo BZebra
Ist das richtig?- Das würde bedeuten, daß man als Skoliotiker das Kanadier-Paddeln vermeiden, das Kajak-Fahren aber ausüben dürfte? (Kanu ist der Sammelbegriff für Beides- Boote die nicht gerudert sondern gepaddelt werden).
Der Kanadierfahrer, der links "löffelt" bekommt bei dynasch rotierender WS eine rechtskonvexe Krümmung der BWS und rechtskonkave Krümmung der LWS. Beim Kanadier überträgt man die Vortriebskraft Über einen Hebelmechnaismus aus Paddel, Arme, Schulter, WS über den Po auf das Boot.
Versuch mal Im Trockenen die Bewegung nachzuvollziehen. Beug dich vor und stich das imaginäre Paddel links vor dir ins "Wasser" und zieh es senkrecht und paralell zum "Bootsrand möglichst weit nach hinten, bevor Du es wieder aushebst und nach vorne durch die Luft (ohne Wiederstand im Vergleich zum Wasser) bewegst, um den Bewegungsablauf rythmisch und in Verbindung mit einer darauf abgestimmten Atemtechnik einstichst. Du wirst spüren, daß dabei links gepaddelt ganz bestimmte Muskelgruppen betätigt werden, während Andere kaum bis nicht gebraucht werden. Wenn diese Muskelgruppen ermüden, wechseln die Kanadierfahrer gerne die Seite. Dann spürt man, daß nun die vorher nicht benötigten Muskeln die für Aufrichten und Rotationskontrolle zuständig sind arbeiten müssen. Daß Skoliotiker überall starke Muskeln an der WS haben ist mir neu! Ich war zwar nur Steuermann- aber damals (vor über 20 jahren) galt die Theorie, daß Skoliotiker je nach Hauptbogenkrümmung asymetrisch starke Muskeln haben und durch die Trainigsseite im Kanadier die "Schwache" Seite gestärkt und auftrainiert werden sollte und die WS-begleitende Muskulatur stärker in ein Rechts-Links-Symetrie-Gleichgewicht zu bringen.

Ich will aber keinesfalls bestreiten, daß vieleicht durch Schroth und die Erfahrungen von Sobernheim heute ganz andere Erfahrungen vorherrschen.

Wenn ich die Funktionsweise eines Cheneau-Korsetts richtig verstanden habe, dann arbeitet es fast so ähnlich wie eine WS-Bewegung beim Kanadierfahren:
Von der Druckseite derotierend abrücken und dafür in die Freiräume hineinatmen. das entspricht beim Kanadierlöffeln dem Ausatmen beim Paddelzug zurück und Einatmen beim Luftzug nach vorne.
Jedenfalls führt einseitiges Kanadierfahren zu einer echten Skoliose- das ist bewiesen. Dann müsste nach Deiner Aussage ja das entgegengesetzte Kanadierfahren beim Skoliotiker die Skoliose sogar verstärken, auch wenn dadurch eine "richtige" Aufrichtung und derotation stattfinden würde?
Das ganze ist aber trocken-schriftlich-theorethisch kaum zu verifizieren. Ich wollte einfach, daß die damalige Idee von Prof. Knapp nicht vergessen wird- war zumindest eine Idee für einen sportlichen Therapie-ergänzungs-Ansatz.
Gruß Toni


Anton

RE: Wassersport gegen Skoliose?

#4 von BZebra ( gelöscht ) , 29.06.2002 08:57

Auf der schwachen Seite (die konkave Seite des Bogens in der Brustwirbelsäule) sind die Muskeln im Bereich der BWS zwar schwächer; unterhalb (in der Lendenwirbelsäule) und auch oberhalb dieses Bogens, gibt es jedoch bei nahezu allen Skoliosen eine Gegenkrümmung, die dazu dient das Gleichgewicht wieder herzustellen. Hier sind die Muskeln stärker.

Wenn ein Skoliotiker die von Dir beschriebene Bewegung ausführt, dann wird er immer die stärkeren Muskeln der entsprechenden Seite mehr betätigen, weil ihm dies leichter fällt (das ist ein Automatismus der bewußt nur sehr schwehr zu beeinflussen ist). Ein Skoliotiker ist nicht in der Lage, eine einseitige Bewegung auf beiden Seiten gleich auszuführen, selbst mit einem gezielten Trainig ist das nicht möglich. Spätestens wenn er ermüdet, geht jede Bewegung in die Verkrümmungen der Skoliose.

Wer einmal nach Schroth geturnt hat, der weiss, wie schwierig es ist, eine Übung so auszuführen, daß dabei alle Bögen gleichzietig korrigiert werden. Die Schroth'schen Übungen sind lediglich statische Übungen, während der Übung wird also eine bestimmte Körperhaltung beibehalten.

Dynamischen Bewegungen, bei denen sich die Körperhaltung zu jedem Zeitpunkt ändert, sind praktisch nicht in korrigierender Weise durchführbar, weil viel zu komplex.

Es ist wirklich eine feststehende Regel, daß einseitige Sportarten oder Bewegungen die Skoliose verstärken.
Wenn Du einen Skoliotiker die von Dir beschriebene Übung über einen längeren Zeitraum mit Kraftaufwand durchführen läßt, dann wird er danach wesentlich verdrehter, seine Verkrümmungen stärker und die ausgeprägteren Rückenpartien wie Ledenwulst und Rippenbuckel angespannter sein als zuvor.

Was das Kanufahren mit seinen verschiedenen Arten betrifft. Ich kenne die genauen Begriffe und Namen nicht, kann aber sagen, daß zwei Paddel (Ruder oder wie auch immer diese "Stöcke" dann heissen) synchron und gleichmäßig betätigt O.K. sind, ein Paddel asymetrich oder auch alternierend betätigt ist nicht gut.

Ich bin mir in dieser Sache wirklich 100% sicher.

Gruß,
BZebra

p.s. Da Du ja keine Skoliose hast, kannst Du ja trotzdem beruhigt in Deinen Kanu-Urlaub gehen. Viel Spaß dabei!


BZebra

   


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